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Scrum Essentials: Was nicht in die User Story gehört

Bei Implementierungen müssen wir uns immer wieder mit der Frage beschäftigen: „Was machen wir denn mit Aufgaben wie dem Aufsetzen eines Servers oder dem nötigen Update des Betriebssystems? Soll das auch ins Backlog?“ Unsere Antwort auf diese Frage ist immer die gleiche: „Nein! Ins Backlog gehören ausschließlich Lieferungen aus Kundensicht, interne Aufgaben haben also nichts im Backlog zu suchen.“

Die Verwirrung ist verständlich, denn leider gibt es immer wieder Artikel wie jenen von Thomas Lieder, die rechtfertigen, warum es doch technische User Stories geben sollte. Einerseits schreibt er selbst sehr richtig: „User Stories sollen eine Anforderung eines Nutzers an das System beschreiben. Technische Teilaufgaben sollten daher eigentlich immer Teil einer User Story sein und dann in diesem Kontext umgesetzt werden.“ [1]  BRAVO! Sehr gut!

Aber dann … anstatt einen Weg zu beschreiben, wie sich das Team selbst um diese User Story herum organisieren kann, gibt er nach: „(…) Es wird aber auch immer wieder technische Aspekte geben, die nicht direkt einem Kundennutzen zugeordnet werden können, z.B. der Umstieg auf eine neue Datenbankversion, weil die bisher genutzte aus der Wartung fällt, oder die zu komplex sind, um als Task einer User Story behandelt zu werden.“ ACHTUNG: Das ist eine Sackgasse!

Seine Lösung, die User Stories zu formulieren ist zwar elegant und sieht auch auf den ersten Blick sehr vielversprechend aus, sie verfehlt jedoch am Ende eine der entscheidenden Grundlagen der Product Entwicklung nach der Idee des New New Product Development Games. Die Idee in Scrum war immer, dass das Team alles daran setzen soll zu liefern, wie bei einer Task-Force tun. Im Backlog stehen ausschließlich die Dinge, die vom Team (als Auftrag) geliefert werden sollen. [2]

Merke: Das Backlog ist KEINE AUFGABENLISTE UND BESCHREIBT AUCH NICHT, WAS ALLES GETAN WERDEN MUSS um etwas zu liefern, und es soll schon gar nicht zur RECHTFERTIGUNG von Arbeit dienen.

Thomas Lieder schreibt weiter: „In dieser Form (in seiner Variante) lassen sich Sinn und Wichtigkeit technischer Aufgaben leichter dem Product Owner vermitteln.“ Darum geht es aber nicht. Der Product Owner muss nicht verstehen, warum wir technische Aufgaben zu erledigen haben.

Meine Vermutung ist: Die Entwickler, das Team, lagern mit technischen User Stories die Verantwortung für eine technische Aufgabe an den PO aus. Das ist nichts anderes als die traditionelle Projektmanagement-Idee wieder bei der Hintertür hereinzulassen und in Scrum zu implementieren. Der PO sagt in diesem Fall an, was ein Team zu tun hat. Nicht mehr, was es LIEFERN soll.

Aber die Verantwortung dafür, was ein Team zu tun hat, um die Funktionalität zu liefern, liegt beim Team und dafür muss sich das Team nicht vor dem PO rechtfertigen.

[1] http://blog.setzwein.com/2011/04/04/technische-user-stories/

[2] Ken Schwaber, Jeff Sutherland und Mike Beedle, haben das ursprünglich anders beschrieben. Für sie war es, vor der Zeit der User Stories, auch OK, technische Arbeitsaufträge ins Backlog zu schreiben. Aber bitte bedenkt, das ist vor mehr als 10 Jahren geschrieben worden. Die Best Practice in Scrum haben sich weiterentwickelt.