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Scrum Essentials – Scrum (k)eine Religion?!

In einem meiner letzten Trainings bin ich wieder damit konfrontiert worden: Scrum sei so etwas wie ein Religion. Schaut man bei Wikipedia nach, dann findet sich, dass der Begriff Religion unterschiedlich verstanden wird.

„Als Religion (latreligio, zurückgeführt auf religere, „immer wieder lesen“, oder religare, „zurückbinden“) bezeichnet man eine Vielzahl unterschiedlicher kultureller Phänomene, die menschliches Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen prägen und Wertvorstellungen normativ beeinflussen. Es gibt keine wissenschaftlich allgemein anerkannte Definition des Begriffs Religion.“ [1]

Scrum kann man als Weltanschauung begreifen, ich traue mich sogar zu sagen es könnte, da es Werte und Praktiken vermittelt, als eine praktische Philosophie verstanden werden, aber es muss einmal  klar gestellt werden:

Scrum fusst auf der wissenschaftlichen Methode. Ken und Jeff haben bereits zu Beginn klar gemacht, dass Scrum im Kern empirisch ist. Alle Ideen, die hinter Scrum stecken, alle Praktiken müssen sich ständig der Empirie stellen.

Genau das ist bei einer Religion ihrem Wesen nach zunächst einmal anders. Eine Religion basiert auf der Kraft von Menschen zu Glauben. Jeder Religion, im Gegensatz zur praktischen Philosophie basiert in letzter Konsequenz auf einem nicht überprüfbaren Kern.

Moment mal – wenn man mit Scrum startet muss man auch an Scrum glauben, oder? Nein! Man muss nicht an Scrum glauben, sondern nur begründet verstehen, dass Scrum dabei helfen kann, die eigenen Lebens- und Arbeitsumstände zu verbessern. Dann probiert man es für sich aus – holt sich einen Lehrer, der einem hilft, die richtigen Dinge zu tun, und legt los. Mit Religion hat das alle absolut nichts zu tun.

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Religion

  • Hannes75

    Ich stehe hinter Scrum (und gehe dafür auch gerne durch das Fegefeuer der Firma) – aber aus Sicht eines Unbedarften (GL/PM/etc) würde sich Scrum für mich wie folgt darstellen – aka „Advocatus Diaboli“:

    * es gibt offensichtlich klare, mir aber (noch? überhaupt!) nicht einleuchtende/schlüssige Ideen – verdächtig!
    * der Weg dorthin wird als so „einfach“/straight propagiert, dass ich kaum glauben kann, dass all die studierten Manager nicht schon lange darauf gekommen wären, oder es nicht schon längst besser wüssten – verdächtig!
    * meine Entwickler fanden es sofort „toll“ (Falle? Tricks? Verschwörung?) – verdächtig!
    * eine externe Person erzählt mir etwas über den Weg zur Erlösung? – Religion! Verschwörung! Verdächtig!
    * etc.pp. ;-)

    Realität: …. jede Umstrukturierung oder wirkliche Veränderung wird immer den Argwohn, bzw. zumindest das Misstrauen auf den Plan rufen – denn einer jeden tiefgreifenden Veränderung muss ja wohl das Missbilligen des Alten zugrunde liegen, oder?
    Wer/Was ist das „Alte“? Doch immer die, die an der Spitze standen!
    Ich??!?!
    Was soll ich denn jetzt tun? Was wird mit „dem Alten“ geschehen?
    etc.pp.

    Daher hilft es vielleicht wirklich, an Scrum zu „glauben“!
    Denn sonst springt auch keiner – und ohne Sprung ins kalte (und erfrischende) Naß, gibt es auch keine neuen Wege … ;)

    Und natürlich ist der rationale Weg der bessere!
    … aber während es den „Nerds“/Freaks doch meist deutlich leichter fällt, diesen Weg zu gehen, scheuen sich die klassischen Betriebswirte (aus Entwickler-Sicht häufig auch als „Control-Freaks ohne Fachwissen“ betitelt), diesem Pfad zu folgen – hieße es doch „Kontroll-Verlust“ und Freiheit für die, die ich eh schon nicht so richtig im Griff habe …

    Sorry, nur meine kleinen Gedanken zu dem Thema – vlt. habe ich auch zuviel mit „alten Hasen“ zu tun gehabt, eine frische Generation möge da offenere Charaktere hervorbringen!

    Liebe Grüße von einem zutiefst religionsbefreiten Menschen! ;)
    /hannes

    • Hannes75

      Ooops, und wahrscheinlich ist jeder Scrum-Master (oder -Advokat) schon einmal auf eine solche Barriere getroffen … klar, das ist wirklich nichts Neues, aber die noch-nicht-Scrum-Anhänger ticken halt irgendwie anders, kann ja ruhig noch einmal betont werden.